Oscar-Filme 2011: „The King’s Speech“

Oscar-Favorit: "The King's Speech" (c) Senator Entertainment AG

Gestern habe ich nun endlich den großen Oscar-Favoriten „The King’s Speech“ gesehen. Glücklicherweise wurde der Film hier in Bonn auch in der Originalfassung gezeigt, so dass ich in den vollen Genuss von Colin Firth‘ Schauspielkunst kam.

Inhalt
Der Film erzählt die wahre Geschichte von Prinz Albert, dem Vater der heutigen Queen Elizabeth II. Nachdem sein Bruder Edward aus Liebe zu einer geschiedenen Frau auf den Thron verzichtete, wurde Prinz Albert zum König – ein bekannter Stotterer. Mit der Hilfe eines unkonventionellen Therapeuten will das Stottern überwinden.

Kurzkritik
Insgesamt hat mir der Film sehr gut gefallen, obwohl die Inszenierung durchaus konventionell ist. Regisseur Tom Hooper und Drehbuchautor David Seidler halten sich an das klassische Schema von Annäherung, Krise und Erlösung, die Ausstattung und das Set sind zeittpyisch und manche Hinweise wie z. B. auf die kindlich Elizabeth II. sind fast schon penetrant. Dennoch hat mich dieser Film begeistert – und zwar vor allem aufgrund der grandiosen Schauspieler. In erster Linie ist hier Colin Firth zu nennen, der meiner Meinung nach schon im letzten Jahr den Oscar mehr als verdient hätte. In „A Single Man“ hat er mir mit seiner Darstellung das Herz gebrochen, nun überzeugte er als stotternder König auf ganzer Linie. Seine Mimik, der verkrampfte Sprachgestus, der Wechsel der Tonlagen und seine ganze Körperhaltung sind einfach nur grandios. Er wird in diesem Jahr den Oscar erhalten. Alles andere wäre ein Skandal!

Geoffrey Rush in "The King's Speech" (c) Senator Entertainment AG

Aber auch die anderen Schauspieler überzeugen. Helena Bonham Carter ist eine fantastische Queen Mum und verfügt über eine enorme Leinwandpräsenz. Obwohl sie nur in wenigen Szenen zu sehen ist, behält man ihre Figur sehr gut in Erinnerung und hat fast das Gefühl, sie wäre eine Hauptdarstellerin. Für mich ist ihrer Leistung überzeugender als die von Melissa Leo in „The Fighter“ und ich würde mich sehr freuen, wenn sie dafür den Oscar erhalten würde (auch wenn ich „True Grit“ noch nicht gesehen habe). Hervorragend ist ebenfalls Geoffrey Rush als unkonventioneller Sprachtherapeut. Er spielt mit Leichtigkeit, Lässigkeit und Charme – und auch seine Nominierung ist mehr als verdient.

Oscar-Chancen:

Colin Firth in "The King's Speech" (c) Senator Entertainment AG

„The King’s Speech“ geht mit zwölf Nominierungen als großer Favorit in die Oscar-Verleihung am 27. Februar 2011. Auf jeden Fall sollte Colin Firth den Preis erhalten, gute Chancen sehe ich auch bei der Ausstattung und den Kostümen. Doch die spannendste Frage ist wohl, ob „The King’s Speech“ den Oscar als bester Film erhält. Seinen Chancen stehen gut: Das Drama hat die wichtigen Guild-Preise erhalten und beim britischen Filmpreis erwartungsgemäß abgeräumt. Das sind die wichtigsten Indikatoren für den Oscar. Auch das Abstimmungsverfahren spricht für „The King’s Speech“. Bei dem so genannten Präferenz-System erstellen die Mitglieder der Academy eine Rangliste von den zehn nominierten Filmen. Dadurch hat ein Film, der viele zweite und dritte Plätze erhält, bessere Chancen auf den Gewinn als ein Film, der viele erste und hintere Plätze erhält. Nun ist „The King’s Speech“ genau so ein Film, der den meisten stimmberechtigten Mitgliedern gut gefallen haben wird, auch wenn sie ihn nicht als besten Film des Jahres ansehen. Seine Oscar-Chancen mindert dies aber auf gar keinen Fall – ganz im Gegenteil. Sollte „The King’s Speech“ nun tatsächlich als bester Film ausgezeichnet werden, erhöhen sich dadurch auch die Chancen der nominierten Nebendarsteller. Es ist kein Geheimnis, dass die Mitglieder häufig für den Film, der ihrer Meinung nach als bester Film gewinnen wird, auch in den anderen Kategorien abstimmen. Das soll auf gar keinen Fall die Leistung von Helena Bonham Carter oder Geoffrey Rush in Abrede stellen.

Bei dem Preis für die beste Regie sehe ich es anders. Auch wenn für mich „The Social Network“ ebenso wenig wie „The King’s Speech“ der beste Film des Jahres ist, hat meiner Meinung nach David Fincher die größere Regie-Leistung erbracht. „The King’s Speech“ ist ein konventionell und routiniert inszenierter Film, nicht mehr und nicht weniger. Aber der Oscar für die beste Regie sollte meiner Meinung nach an einen Regisseur gehen, der ein wenig mehr riskiert.

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Published in: on 22. Februar 2011 at 17:27  Comments (3)  
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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. […] Selten waren sich Kritiker so einig: Colin Firth sollte den Oscar als bester Hauptdarsteller erhalten. Tatsächlich ist er in „The King’s Speech“ großartig – und meine Meinung habe ich hinlänglich kundgetan. […]

  2. […] als DER Favorit. Doch dann kamen die DGA-Awards – und Tom Hooper gewann. Weitere Preise für „The King’s Speech“ folgten und plötzlich erscheint gar nichts mehr […]

  3. […] John Hawkes in „Winter’s Bone“ besser fand als Christian Bale in „The Fighter“. Auch mit „The King’s Speech“ kann ich leben, da meines Erachtens alle nominierten Filme gut und keiner herausragend war. Doch im […]


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