Oscar-Film 2011 – „True Grit“

(c) Paramount

Auch wenn „True Grit“ bei der gestrigen Oscar-Verleihung leer ausgegangen ist, hat er mich überzeugt!

Inhalt
Joel und Ethan Coen erzählen in ihrem Film die Geschichte der 14-jährigen Mattie, die den Tod ihres Vaters rächen will. Also heuert sie den versoffenen Marshall Rooster Cogburn an, der mit ihr den feigen Mörder Tom Chaney im Indianergebiet stellen soll. Schon bald müssen alle Beteiligten beweisen, dass sie „wahren Mumm“ haben!

Kritik
„True Grit“ ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Charles Portis, der bereits 1969 mit John Wayne als Rooster Cogburn unter dem Titel „Der Marshal“ für die Leinwand adaptiert wurde. Während Henry Hathaway damals vor allem einen Film für John Wayne drehte und nur die Handlungszüge der Vorlage übernahm, halten sich die Coen-Brüder enger an die literarische Vorlage. Vor allem gelingt es ihnen, die Grundstimmung des Buches einzufangen und auf die Leinwand zu transportieren. Dabei können sie sich voll auf ihre Darsteller verlassen: Jeff Bridges ist toll als versoffener Marshall, Matt Damon unterhält als eitler Texas Ranger – und Josh Brolin ist gut als feiger Mörder.

Jeff Bridges und Hailee Steinfeld in True Grit (c) Lorey Sebastian/Paramount

Vor allem aber lebt der Film von Hailee Steinfeld. Und obwohl ich alles andere als ein Fan davon bin, sehr junge Schauspielerinnen dermaßen zu hypen: Sie ist wirklich großartig! Nicht jede würde derart bravourös gegen Jeff Bridges bestehen, zumal sie es auch schafft, dass erwachsene Kinozuschauer an ihrem Schicksal Anteil nehmen, ohne sie zu bemitleiden.

Oscar-Chancen
Dass „True Grit“ bei zehn Nominierungen komplett leer ausgeht, hat mich schon überrascht. Ich hatte sowohl Hailee Steinfeld – jetzt mal unbesehen, dass eine Nominierung als beste Nebendarstellerin totaler Quatsch war! – gute Chancen zugerechnet, auch Roger Deakins für die beste Kamera erschien mir als guter Tipp. Nicht zuletzt dachte ich, dass „True Grit“ der Überraschungssieger in dem Feld der grundsätzlich guten Filme werden könnten. Aber gut, bekanntermaßen zeichnete die Academy in diesem Jahr konventionelle Regieführung und ein zu Herzen gehendes Drama aus – da passen die Coens mit ihrem lakonischen Humor wirklich nicht zu!

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Published in: on 1. März 2011 at 08:00  Comments (1)  
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Oscar 2011 – Javier Bardem und „Biutiful“

© 2011 PROKINO Filmverleih GmbH

Das Drama von Alejandro Ganzález Iñarritu erzählt von dem kleinen Gauner Uxbal (gespielt von Javier Bardem), der sich in Barcelona mit illegalen Geschäften durchs Leben schlägt. Uxbal ist ein Typ, auf den man sich verlassen kann. Er kümmert sich rührend um seine Kinder, seine manisch-depressive Exfrau (herzzerreißend: die argentinische Schauspielerin Maricel Álvarez) und die illegalen afrikanischen Einwanderer. Zugleich ist er aber auch ein Profiteur der Not anderer; er verdient sein Geld, indem er für die senegalesischen Händler die Polizei besticht und illegale chinesische Einwanderer als billige Arbeitskräfte vermittelt. Doch dann erhält Uxbal die Nachricht, dass er Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium hat. Mit dieser Diagnose wird er zurückgeworfen auf die Frage, die für ihn entscheidend ist: Wird er eine Erinnerung in der Welt zurücklassen? Nur wenige Wochen bleiben ihm, um seine Hinterlassenschaften wenigstens moralisch zu ordnen. Und davon handelt dieser großartige Film. Eine ausführliche Kritik zu „Biutiful“ von mir findet ihr bei spielfilm.de, deshalb will ich mich hier kurz fassen

Oscar-Chancen
„Biutiful“ wurde für zwei Oscars nominiert: als bester fremdsprachiger Film und für den besten männlichen Hauptdarsteller. Lange Zeit galt „Biutiful“ als der sichere Gewinner und haushoher Favorit für den Auslands-Oscar. Aber dann gewannen andere Filme die Kritikerpreise in den USA und auch der Golden Globe ging an den dänischen Beitrag „In einer besseren Welt“. Mit den Nominierungen hat die Academy für weitere Überraschungen gesorgt, so dass das Feld sehr unübersichtlich geworden ist. Sicherlich hat das mexikanische Drama weiterhin gute Chancen auf einen Oscar – und ich zähle es neben den Film aus Dänemark und Kanada auch zu den Favoriten.

© 2011 PROKINO Filmverleih GmbH

Nachdem er den Darstellerpreis in Cannes gewonnen hat, erging es Javier Bardem ähnlich wie „Biutiful“: Er galt als Favorit für den Oscar, doch dann gewannen Jesse Eisenberg und Colin Firth die Auszeichnungen in den USA. Noch nicht einmal mehr eine Nominierung erschien selbstverständlich, obwohl sich prominente Kolleginnen wie beispielsweise Julia Roberts dafür einsetzten. Doch rechtzeitig vor der Oscar-Verleihung wurde Javier Bardem überraschend für einen Bafta nominiert – und schließlich auch für einen Oscar. Fraglos liefert er eine grandiose Leistung in „Biutiful“ ab. Aber in diesem Jahr wird wohl kaum ein Weg an Colin Firth vorbeigehen. Im Gegensatz zu Firth hat Javier Bardem bereits einen Oscar für „No Country For Old Men“ gewonnen, außerdem hätte meiner Meinung nach Colin Firth bereits im letzten Jahr den Preis verdient gehabt – wenn man alleine nach der schauspielerischen Leistung geht. Und in diesem Jahr müsse einiges passieren, dass er erneut leer ausgeht. Deshalb gilt für Javier Bardem in diesem Jahr der alte Satz: Es ist eine Ehre, nominiert zu sein.

Published in: on 11. Februar 2011 at 17:13  Comments (1)  
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Oscar-Filme 2011: „Winter’s Bone“

(c) Ascot Elite Filmverleih GmbH

Hohe Erwartungen hatte ich an den vielfach gelobten Independentfilm „Winter’s Bone“ – und sie wurden voll und ganz erfüllt! Dieser Film ist in seiner Schlichtheit brillant, Jennifer Lawrence ist umwerfend und selten hat man Kino ein derart realistisches Bild der USA erhalten. Da ich aber zu diesem Film schon eine ausführliche Kritik für spielfilm.de geschrieben habe, will ich mich an dieser Stelle gar nicht allzu lange mit den vielen Vorzügen von „Winter’s Bone“ aufhalten.

Inhalt
In „Winter’s Bone“ wird eine einfache Geschichte erzählt: Die 17-jährige Ree Dolly muss ihren Vater innerhalb von einer Woche finden, ansonsten verlieren sie und ihre Geschwister das Dach über ihrem Kopf. Also macht sie sich auf die Suche – und stößt mit ihren Fragen in der verschworenen Gemeinschaft im südlichen Missouri nicht auf Gegenliebe.

Jennifer Lawrence als Ree Dolly (c) Ascote Elite Filmverleih GmbH

Oscar-Chancen
„Winter’s Bone“ ist für vier Oscars nominiert: als bester Film, für die beste Hauptdarstellerin, den besten Nebendarsteller und das beste adaptierte Drehbuch. Leider glaube ich, für diesen Film gilt der alte Satz, dass schon die Nominierung eine Ehre ist. Für mich ist John Hawkes bislang der beste Nebendarsteller, aber ich habe „The Fighter“ und damit Christian Bale auch noch nicht gesehen. Dennoch ist Hawkes schwer zu übertreffen, schon lange hat mich keine Figur mehr derart ins Herz getroffen. Auch Jennifer Lawrence ist fantastisch und verfügt über eine beeindruckende Leinwandpräsenz. Aber gegen Natalie Portman und Annette Bening hat sie wohl keine Chance – obwohl ich sie als mindestens genauso gut einschätze und mich sehr freuen würde, wenn sie als lachende Dritte den Preis erhält!

 

Published in: on 9. Februar 2011 at 20:00  Comments (1)  
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Oscar-Filme 2011: „Black Swan“

(c) 20th Century Fox

Nun komme ich endlich dazu, meine Kurzkritik zu „Black Swan“ zu schreiben – natürlich mit Blick auf die Oscar-Chancen des Films. Insgesamt hat mir der Film sehr gut gefallen, nur am Anfang fand ich ihn etwas langatmig, das Finale war dafür virtous-dramatisch. Eine ausführliche Kritik von mir findet Ihr hier.

Inhalt
Die disziplinierte Ballett-Tänzerin Nina (Natalie Portman) erhält die langersehnte Chance auf ihren Durchbruch: Sie soll in einer „Schwanensee“-Neuinszenierung die Rolle des guten weißen und bösen schwarzen Schwans übernehmen. Für den weißen Schwan ist sie perfekte Besetzung, aber für den schwarzen Schwan muss sie sich jenen Abgründen stellen, denen sie sich bislang verweigert hat. Und ausgerechnet jetzt kommt mit der leidenschaftlichen Lily (Mila Kunis) eine neue Tänzerin zum Ensemble, die genau das hat, was Nina fehlt. Schon bald fühlt sie sich verfolgt – oder droht sie, dem Wahnsinn zu verfallen?

Oscar-Chancen

Natalie Portman in "Black Swan" (c) Twentieth Century Fox

„Black Swan“ wurde fünfmal nominiert: Bester Film, beste Regie, beste Hauptdarstellerin, beste Kamera und bester Schnitt. Die besten Chancen hat fraglos Natalie Portman als beste Hauptdarstellerin, sie gilt neben Annette Bening als Favoritin auf diesen Preis. Ihre Leistung in „Black Swan“ ist in der Tat beeindruckend: Sie ist in fast jede Szene des Films zu sehen, ihre Transformation insbesondere am Ende des Films ist imponierend, noch dazu hat sie auch selbst getanzt. Deshalb wird der Oscar in diesem Jahr an Natalie Portman gehen – aber meines Erachtens hat der Film darüber hinaus höchstens noch Chancen auf den Oscar für den besten Schnitt und die beste Kamera. Allerdings sehe ich bei letzerer Kategorie Roger Deakins für „True Grit“ vorne – auch wenn die Optik von „Black Swan“ zweifellos toll ist.

„The Kids Are All Right“ – Annette Bening und ihre Oscar-Chancen

Gestern war ich nun endlich in „The Kids Are All Right“ und fand den Film insgesamt schon sehr gut – wenn ich maximal fünf Sterne zu vergeben hätte, bekäme er vier.

Inhalt

Die Regisseurin Lisa Cholodenko erzählt von dem lesbischen Paar Nic (Annette Bening) und Jules (Julianne Moore), das mit seinen Kindern, dem 15-jährigen Laser (Josh Hutcherson) und der 18-jährigen Joni (Mia Wasikowska), in Los Angeles ein im Großen und Ganzen harmonisches Familienleben führen. Sicherlich hatten Nic und Jules schon einmal glücklichere Zeiten, aber sie meistern ihren Ehealltag. Nun nehmen Joni und Laser Kontakt zu ihrem leiblichen Vater auf – sie wurden beide mit den Samen desselben Spenders gezeugt – und dadurch kommt tritt der Restaurantbesitzer Paul (Mark Ruffalo) in das Leben der Familie und bringt es gehörig durcheinander.

Kurzkritik

Im Grunde genommen erzählt Lisa Cholodenko also eine ganz normale, tragikomische Familiengeschichte, die vor allem dank ihrer Normalität überzeugt und mit viel Dialogwitz bestens unterhält. Herausragend sind aber die Darsteller. Julianne Moore ist wunderbar natürlich als unsichere Jules, die stets auf der Suche nach Bestätigung ist. Annette Bening ist großartig als toughe Nic, dabei wirkt sie weitaus herber als in ihren sonstigen Filmen. Hat Annette Bening zuletzt in Filmen wie „American Beauty“ und „Being Julia“ vor allem als hysterische Ehefrau geglänzt, spielt sie hier mit viel Strenge und Souveränität. Auch Mark Ruffalo überzeugt als charmanter Samenspender weitaus mehr als in „Shutter Island“. Alles in allem ist „The Kids Are All Right“ also eine sehenswerte und sehr unterhaltsame Indie-Komödie!

Oscar-Chancen

Im Hinblick auf die Oscars werden vor allem Annette Bening Chancen eingeräumt, die ja tatsächlich sehr gut in der Rolle der Nic ist. Aber das Hauptproblem ist meines Erachtens, dass Julianne Moore und Annette Bening sehr glaubwürdig als lesbisches Paar sind – und wie schon bei Susan Sarandon und Geena Davis als „Thelma & Louise“ ist es schwierig zu sagen, dass Bening besser ist. Vor allem überrascht mich die Diskussion über die Einordnung von Julianne Moore als Nebendarstellerin. Ohne die Leinwandminuten gezählt zu haben, war für mich Julianne Moore eindeutig der bestimmendere Charakter. Allerdings ist dies vermutlich tatsächlich die größte Chance für beide Darstellerinnen: Sollte eine von ihnen – und das wird wohl Julianne Moore – in die Nebendarstellerkategorie gesteckt werden, könnten beide gewinnen und würden einander nicht die Stimmen wegnehmen. Zumal sie beide bei den Oscars überfällig sind: Bening war bereits dreimal erfolglos nominiert, Moore sogar schon viermal.

Abgesehen von den Darstellerinnen räume ich dem Film aber auch Chancen auf eine Nominierung als bester Film ein – schließlich hat die Academy ein Herz für erfolgreiche Sundance-Komödien, außerdem könnten das Lisa Cholodenkos Drehbuch und Mark Ruffalo als bester Nebendarsteller eine Nominerung erhalten.

Hat „Inception“ Chancen auf einen Oscar?

Nun war auch ich gestern endlich in „Inception“ und kann nur in den Lobeshymnen-Chor einstimmen: Der Film ist tatsächlich die perfekte Mischung aus Spannung, Anspruch und Unterhaltung. Er vereint für mich alle Pluspunkte von Christopher Nolans bisherigen Filmen: die Komplexität der Handlung und Erzählweise von „Memento“ und „Prestige“, die gewaltige Bildsprache von „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ sowie die dichte Atmosphäre von „Insomnia“.

Die entscheidende Frage aber muss lauten: Hat „Inception“ Chancen auf einen Oscar? Meine klare Antwort: Ja! Nach meiner Einschätzung wird „Inception“ auf jeden Fall als bester Film nominiert. Dafür sprechen drei Gründe: Erstens hat die Academy noch die Schmach von „The Dark Knight“ wettzumachen, zweitens ist „Inception“ die perfekte Mischung aus Anspruch und Unterhaltung und drittens können die Oscars angesichts des im letzten Jahr begonnen Popularisierungstrends einen der erfolgreichsten Filme des Jahres nicht ignorieren.

Auch Leonardo DiCaprio hat sicherlich gute Chancen auf eine Nominierung entweder für „Shutter Island“ oder „Inception“. Allerdings sind sich beide Rollen durchaus ähnlich und die Konkurrenz bei den Männer könnte unter anderem mit Javier Bardem („Biutiful“) unglaublich stark besetzt sein. Von den anderen Schauspielern in „Inception“ schätzen die Blogger von „Awards Daily“ noch Marion Cottilard als Oscar-Kandidatin ein. Aber hier bin ich eher skeptisch.

Weitere Oscar-Nominierungen für „Inception“ erwarte ich in den Kategorien „Beste Regie“, „Bestes Originaldrehbuch“, „Bester Schnitt“, „Beste Kamera“, „Beste Ausstattung“, „Beste Original Score“ und „Beste Visual Effects“.

Ob „Inception“ aus einen Oscar gewinnt, vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorherzusehen. Der Film ist für mich sicherlich ein Favorit – aber viele heiße Kandidaten auf einen Oscar werden in den nächsten Monaten erst noch in Deutschland anlaufen!

Pippa Lee

Manchmal sitze ich im Kino und frage mich, ob die Wirkung des Films wirklich so beabsichtigt ist. Bei „Pippa Lee“ sorgte insbesondere Keanu Reeves für solche Irritationen: Sollte die angedeutete Sex-Szene mit Pippa Lee (Robin Wright) im Auto wirklich lustig sein? Oder liegt diese Wirkung an Keanu Reeves, der nicht unbedingt seine beste Leistung gezeigt hat? Sowieso: Irgendwie spielt er seine Rollen immer gleich.

Aber auch abgesehen von Keanu Reeves hat mich der Film enttäuscht. Aufgrund der Kritiken habe ich mir den Film angesehen und einen unterhaltsamen Film über eine gelangweilte Hausfrau erwartet.  Das sind keine hohen Erwartungen, doch selbst diese hat der Film noch unterlaufen. Er ist viel zu lang, die Handlung ist vorhersehbar, filmische Mittel sind nicht gut eingesetzt, die Musik erschlägt den Zuschauer manchmal und abgesehen von Julianne Moore und Winona Ryder – die als durchgeknallte junge Geliebte fast wie eine Selbstkarikatur erscheint – bleiben alle Schauspieler unter ihren Möglichkeiten. Vielleicht liegt es bei Robin Wright auch an der Synchronstimme, dass sie selbst am Ende des Films noch leblos wirkte …

Mein Fazit: Selbst im Kino-Sommerloch gibt es bessere Filme zu sehen als „Pippa Lee“.

Published in: on 23. Juli 2010 at 17:30  Schreibe einen Kommentar  
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An Education

Nun habe ich endlich auch „An Eudcation“ gesehen und ich kann das Kritikerlob über  Carey Mulligan sehr gut nachvollziehen. Allerdings sind dabei vielleicht die hervorragenden Leistungen der anderen Schauspieler in den Hintergrund gerückt, vor allem von Alfred Molina. Er hätte definitiv eine Oscarnominierung verdient gehabt.

Insgesamt haben die Schauspieler dem Film über manche Längen sehr hinweg geholfen, und ich habe mich mehr als einmal gefragt, warum Nick Hornby für das Drehbuch nominiert wurde. Es war eine nette Geschichte und es sicherlich ungewöhnlich, einen Coming-of-Age-Film mit einer weiblichen Hauptdarstellerin zu drehen – zumal ja insbesondere der ältere Mann verführt junges Mädchen-Aspekt nicht zu unterschätzen ist -, aber die Handlung hatte schon viele Lücken. Insbesondere die Motivation vieler Figuren blieb im Dunkeln, so habe ich auf eine Erklärung des Verhaltens der Mutter gewartet oder wenigstens auf eine Andeutung, warum auch sie – wider besseren Wissens – ihrer Tochter gut zuredet. Aber da kam nichts.

Lohnenswert war vor allem ein Blick auf die „nicht verwendeten Szenen“. Dort habe ich zum einen eine wunderbare Szene gefunden, in der Jenny deutlich macht, dass sie sehr wohl ahnte, dass mit David etwas nicht stimmt. Und zum anderen ein alternatives Ende, bei dem ich nur froh war, dass es nicht verwendet wurde! Das Ende war ja so schon vorhersehbar – vor allem das Schlussbild -, doch es ist die deutliche bessere Alternative geworden.

Mein Fazit: Netter Film mit hervorragenden Schauspielern, der durchaus auch glücklich macht!

Published in: on 23. Juli 2010 at 17:20  Schreibe einen Kommentar  
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Männer, die auf Ziegen starren

Schon der Anfang des Films ist vielversprechend: An dieser Geschichte sei mehr war als man glauben möge. Die nächsten Einstellungen zeigen einen Militärangehörigen, der versucht durch eine Wand zu springen und man erfährt, dass es beim US-Militär mal eine Spezialeinheit zur parapsychologischen Kriegsführung gab. Davon erfährt auch der Reporter Bob Wilton, der in einer amerikanischen Kleinstadt ein Durchschnittsleben führt. Nachdem sein Chef stirbt und seine Frau ihn verlässt, will er ein Abenteuer suchen und reist in den Irak – also zumindest an die Grenze zum Irak. Dort wartet er in einem Hotel auf seine Einreiseerlaubnis in den Irak und damit auf eine spannende Geschichte, als ihm zufällig Lyn Cassady begegnet. Dieser Name kommt ihm vertraut vor – und schon befindet er sich mitten in einer angeblich geheimen Mission dieser Spezialeinheit der selbsternannten Yedi-Soldaten.

Es folgt eine Reihe von Spitzen gegen die derzeitige Situation im Irak, die durchaus lustig sind. Doch sie hätten für meinen Geschmack bissiger und pointierter ausfallen können. Hervorragend sind an diesem Film – neben dem Titel – vor allem die Schauspieler:   George Clooney spielt großartig, Jeff Bridges ist bekiffter Anführer erinnert an „Dude“-Zeiten und besonders hat mich Ewan McGregor – aka Obi Wan Kenobi – in der Rolle des Journalisten, der mit allerhand Star-Wars-Metaphern konfrontiert wird, erfreut. Auch die Ausgangssituation ist an sich dankbar, eine lustige und angeblich wahre Geschichte vor einem ernsten Hintergrund – doch irgendwie gelingt es dem Regisseur Grant Heslov nicht, diese ganzen guten Ansätze zu einem großartigen Film zu verbinden. Stattdessen gibt es einige sehr lustige Szenen – hier sei nur an George Clooneys Blitzaugentechnik erinnert -, aber das war es schon. Am Ende hatte ich also durchaus eine unterhaltsame Zeit im Kino, aber der große Knaller war es leider nicht!